Die Veranstaltung „Unsere Religion im Gespräch“ im Haus der Religionen thematisiert, wie „islamisch“ der sogenannte Islamische Staat (IS) ist. Auslöser der breiten Wahrnehmung war Juni 2014, als die zuvor in Syrien/Irak agierende Gruppierung ein „Kalifat“ ausrief und Grenzlinien symbolisch aufhob. Der Anspruch des Kalifen verbindet geistliche und weltliche Führung aller Muslime; daraus leitet die Bewegung exklusive Wahrheits- und Herrschaftsansprüche ab. In muslimischen Communities, auch in Deutschland, dominieren Schock und Ablehnung; nur eine kleine Minderheit fühlt sich angezogen. Zur Genese: Ausgehend von Abu Musab al-Zarqawis Netzwerk (ab 2003) entwickelte sich aus „al-Qaida im Zweistromland“ 2006 der „Islamische Staat im Irak“, der – trotz geringer Größe – durch spektakuläre Anschläge und die Ausnutzung politischer Leerstellen an Bedeutung gewann. Der IS inszeniert sich nicht nur als Terrorgruppe, sondern als Staatsbildungsprojekt: Verwaltung, Polizei, Müllabfuhr, Schulwesen und Steuern wurden in Kerngebieten zeitweise etabliert. Finanzierung bleibt in Teilen unklar (Raub, Kriminalität, Ölquellen, Bankplünderungen u. a.). Zentral ist eine hochprofessionelle Medienarbeit, die Mythenbildung, Rekrutierung und symbolische Dominanz im Netz betreibt.
Theologisch nutzen IS-Ideologen selektive Koran- und Hadithzitate, lösen sie aus Kontexten und rechtfertigen damit Gewalt bis hin zu Versklavung und Zwangskonversion. Dem widersprechen breite islamische Gelehrtenpositionen; prominent ist der „Letter to Baghdadi“ (über 100 Gelehrte), der u. a. das Töten Unschuldiger, Zwangskonversion, willkürliche Exkommunikation (Takfir) und ein illegitim ausgerufenes Kalifat zurückweist. Mohagheghi betont die historische Kontextualisierung koranischer Kriegsverse und die Tradition verantworteter Auslegung; das IS-Frauen- und Gesellschaftsbild gilt als ahistorisch und unmenschlich. Medienlogiken begünstigen allerdings die Aufmerksamkeit für Gewalt, während differenzierte Gegenstimmen weniger Sichtbarkeit erhalten.
Handlungsimpulse für Schule und Gesellschaft: religiös-theologische Aufklärung stärken (auch mit authentischen muslimischen Stimmen und Dokumenten), Jugendliche lebensweltlich binden und Alternativperspektiven eröffnen, Anerkennung und Partizipation fördern, medienkritische Kompetenz schulen sowie politische Mitverantwortung reflektieren (z. B. Waffenexporte, Öl- und Bündnispolitik). Insgesamt: Der IS ist eine politisch-soziale Extrembewegung, die Religion instrumentalisiert; er repräsentiert nicht