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Religionen im Gespräch

Religionen im Gespräch

Wie islamisch ist der "Islamische Staat"? | Ep. 17

Veröffentlichung:29.4.2015

Diese umfangreiche Podiumsdiskussion mit 60 Minuten untersucht wie die radikale Organisation islamische Staat den islamischen Glauben verändert, um junge Muslime zur Gewalt gegen Menschen mit anderem Glauben zu erziehen.

Tag für Tag verbreitet der „Islamische Staat“ Schrecken. Er vergewaltigt, foltert, mordet, und er will demnächst ganz Europa erobern.

„Terror und Gewalt haben mit dem Islam nichts zu tun“, das sagten noch vor wenigen Monaten viele. Inzwischen ist in den Köpfen vieler Europäer eher der gegenteilige Eindruck entstanden. Jeder französische, englische oder deutsche Jugendliche, der in den Dschihad zieht, verstärkt ihn.

Wie „islamisch“ sind der IS und seine Lehre? Wie sollen wir in Deutschland auf die tödliche Bedrohung reagieren? Darüber spricht Wolfgang Reinbold mit dem Islamwissenschaftler Dr. Christoph Günther und mit der Juristin und Theologin Hamideh Mohagheghi.

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Die Veranstaltung „Unsere Religion im Gespräch“ im Haus der Religionen thematisiert, wie „islamisch“ der sogenannte Islamische Staat (IS) ist. Auslöser der breiten Wahrnehmung war Juni 2014, als die zuvor in Syrien/Irak agierende Gruppierung ein „Kalifat“ ausrief und Grenzlinien symbolisch aufhob. Der Anspruch des Kalifen verbindet geistliche und weltliche Führung aller Muslime; daraus leitet die Bewegung exklusive Wahrheits- und Herrschaftsansprüche ab. In muslimischen Communities, auch in Deutschland, dominieren Schock und Ablehnung; nur eine kleine Minderheit fühlt sich angezogen. Zur Genese: Ausgehend von Abu Musab al-Zarqawis Netzwerk (ab 2003) entwickelte sich aus „al-Qaida im Zweistromland“ 2006 der „Islamische Staat im Irak“, der – trotz geringer Größe – durch spektakuläre Anschläge und die Ausnutzung politischer Leerstellen an Bedeutung gewann. Der IS inszeniert sich nicht nur als Terrorgruppe, sondern als Staatsbildungsprojekt: Verwaltung, Polizei, Müllabfuhr, Schulwesen und Steuern wurden in Kerngebieten zeitweise etabliert. Finanzierung bleibt in Teilen unklar (Raub, Kriminalität, Ölquellen, Bankplünderungen u. a.). Zentral ist eine hochprofessionelle Medienarbeit, die Mythenbildung, Rekrutierung und symbolische Dominanz im Netz betreibt.

Theologisch nutzen IS-Ideologen selektive Koran- und Hadithzitate, lösen sie aus Kontexten und rechtfertigen damit Gewalt bis hin zu Versklavung und Zwangskonversion. Dem widersprechen breite islamische Gelehrtenpositionen; prominent ist der „Letter to Baghdadi“ (über 100 Gelehrte), der u. a. das Töten Unschuldiger, Zwangskonversion, willkürliche Exkommunikation (Takfir) und ein illegitim ausgerufenes Kalifat zurückweist. Mohagheghi betont die historische Kontextualisierung koranischer Kriegsverse und die Tradition verantworteter Auslegung; das IS-Frauen- und Gesellschaftsbild gilt als ahistorisch und unmenschlich. Medienlogiken begünstigen allerdings die Aufmerksamkeit für Gewalt, während differenzierte Gegenstimmen weniger Sichtbarkeit erhalten.

Handlungsimpulse für Schule und Gesellschaft: religiös-theologische Aufklärung stärken (auch mit authentischen muslimischen Stimmen und Dokumenten), Jugendliche lebensweltlich binden und Alternativperspektiven eröffnen, Anerkennung und Partizipation fördern, medienkritische Kompetenz schulen sowie politische Mitverantwortung reflektieren (z. B. Waffenexporte, Öl- und Bündnispolitik). Insgesamt: Der IS ist eine politisch-soziale Extrembewegung, die Religion instrumentalisiert; er repräsentiert nicht

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